Berlins U-Bahnhöfe
Zivischutzraum |
Siemensdamm |
Das Besondere an diesem Bahnhof ist, dass er als Zivilschutzraum nutzbar ist. Im Krisenfall können hier 4.500 Personen für 14 Tage beherbergt werden. Um diesen Ausbau zu ermöglichen hat die Bundesregierung diesen Bau mit 11 Millionen DM bezuschusst. Es handelt sich hierbei um ein Mehrzweckbauwerk in zwei Ebenen, welches eine Länge von 195 Metern hat.
Zivilschutzraum bedeutet, dass dieser Bau hermetisch von der Außenwelt verschließbar ist. Hierzu gibt es vier Gleistore, die als hydraulische Schwenk-Hubtore ausgebildet sind. Sie sind 3,40 m breit, 4,00 m hoch und 30 cm dick und wiegen je 3000 kg. Sowie sich die Tore nicht mehr in ihrer offenen Position (zwischen den beiden Gleisen) befinden, werden die Streckensignale auf rot geschaltet. Zusätzlich können auf die gleiche Weise auch die vier Zugänge verschlossen werden. Bei diesen Toren handelt es sich um Stahlschiebetore (4,90 m x 2,60 m x 35 cm) die sich in seitlichen Räumen neben den Zugängen befinden und an Führungsschienen aufgehängt sind. Bevor sie geschlossen werden können, müssen in den Gängen die herausnehmbaren Bodenplatten entfernt bzw. hoch geklappt werden. Das gleiche betrifft die Wandzonen und Deckenelemente in diesen Bereichen. Nachdem die Tore verschlossen wurden, ist das Bauwerk gasdicht, d.h. gegen biologische Kampfmittel, chemische Kampfstoffe, gegen radioaktiven Niederschlag und Brandeinwirkung und natürlich gegen herab fallende Trümmer gesichert.
Danach ist das Betreten und Verlassen des Bahnhofs nur noch durch Schleusen möglich, die sich im unmittelbaren Bereich dieser Tore befinden. Zusätzlich befinden sich zwei Schleusen an je einem Ende des Bauwerks zum Streckentunnel hin. Den Schleusen vorgelagert sind so genannte Dosierungsanlagen, die ein unkontrolliertes Eindringen von Schutzsuchenden verhindern sollen. Die Schleusen sind so konstruiert, dass sich zwei druckfeste Türen nur wechselseitig öffnen lassen. Dies kann elektromechanisch von einem Nachbarraum durch einen Schleusenwärter erfolgen, ist aber auch per Hand möglich. Dieser Nachbarraum besitzt eine Sichtverbindung durch Panzerglas mit der eigentlichen Schleuse. In unmittelbarer Nähe der Schleusen befinden sich Dekontaminierungsräume, um Schutzsuchende nach Erfolgen eines Militärangriffs entgiften zu können.
Zunächst wird die gesamte Anlage über das öffentliche Stromnetz versorgt. Sollte dieses ausfallen, übernimmt innerhalb weniger Sekunden eine eigene Notstromversorgung die Aufgaben. Hierbei handelt es sich um einen Turbodieselmotor mit einer Leistung von 470 kW mit einem angeschlossenen Generator. 50.000 Liter Kraftstoff können dafür bevorratet werden. Die Abgase entweichen hierbei über eine ebenfalls verschließbare Abgasleitung, die sich in Form eines Turmes auf dem Straßenland befindet. Zusätzlich besteht die Möglichkeit bei einem Ausfall dieser Dieselversorgung, die Beleuchtung durch eine BVG-eigene 220 V-Batterie zu ermöglichen.
Auch das Wasser wird durch das städtische Netz der Berliner Wasserbetriebe bezogen. Zusätzlich stehen zwei Tiefbrunnen zur Verfügung, die mit Unterwasserpumpen versehen sind und das Wasser aus rund 40 Meter Tiefe fördern können. Das Wasser kann in Behältern zwischengelagert werden. Diese Behälter haben ein Gesamtfassungsvermögen von 163 Kubikmetern, so dass für 14 Tage jeder Person 2,5 Liter Wasser je Tag zur Verfügung steht. Da man von Trinkwasserqualität ausgeht, hat man auf weitere Wasseraufbereitungsanlagen verzichtet.
Mittels Förderpumpen (die auch von Hand bedient werden können) wird das Brauchwasser in die städtische Kanalisation entsorgt. Sollte diese zerstört sein, kann das Brauchwasser auch über gesonderte Leitungen in die Streckentunnel außerhalb der Anlage entsorgt werden. Selbstverständlich sind diese Leitungen durch Schieber verschließbar. Je 50 Personen steht ein WC und eine Waschgelegenheit zur Verfügung. Insgesamt stehen fünf Sanitärbereiche bereit.
Zwei Lüftungsanlagen sind eingebaut, um die Schutzsuchenden mit Frischluft zu versorgen. Hierzu wird Raumluft ständig umgewälzt. Die Anlagen sind in der Lage, je Person und Stunde neun Kubikmeter Frischluft beizumischen. Soweit im Falle von brauchbarer Außenluft. Sollte die Außenluft aber verseucht sein, wird die Luft durch einen zwei Meter hohen Sandfilter und anschließend durch einen ABC-Filter geführt. Hierdurch reduziert sich die Frischluftmenge von neun auf 1,5 Kubikmeter je Person und Stunde. Die Luft wird über Lüftungskanäle gleichmäßig auf das gesamte Bauwerk verteilt. Da U-Bahnzüge zur Beherbergung der Schutzsuchenden bereitgestellt sind, befinden sich auch in den Hintergleiswänden Lüftungs-Auslässe, die gezielt die Zuginnenräume versorgen können.
Die Abluft wird über die WC-Anlagen abgesaugt und zum Teil dem Notstromaggregat als Verbrennungsluft zugeführt. Die Luftentsorgung erfolgt über einen Lüfterturm, der mit Schnellschließklappen versehen ist. Diese sollen bewirken, dass eventuelle Explosionsdrücke nicht auf das Bauwerkinnere übertragen werden kann.
Die Lüftungsanlagen sind darauf ausgelegt, im gesamten Bauwerksinneren einen gewissen Überdruck zu erzielen. Dies soll bewirken, dass keine kontaminierte Luft durch möglicherweise vorhandene Undichtigkeiten und Risse eindringen kann.
Um eine Verbindung mit der Außenwelt zu haben, besitzt das Bauwerk einen Telefonanschluss sowie diverse Funkanlagen mit oberirdischen Antennen, sowie Wechselsprechanlagen im Bereich der Schleusen. Weiterhin sind Radio- und UKW-Funkgeräte installiert.
Das Bauwerk erstreckt sich über zwei Geschosse in der Ebene des Bahnsteiges und der übergeordneten Vorhalle. Der Mittelbahnsteig nimmt längenmäßig etwa 3/5 der gesamten Bauwerkslänge in Anspruch. Neben den beiden Fahrgasttreppen im Bahnsteigmittenbereich gibt es am östlichen Bahnsteigende eine (in Friedenszeiten unsichtbare) weitere Treppe, die die beiden Ebenen miteinander verbindet. Im Vorhallenbereich gibt es einen Raum, von dem aus eine Treppe in einen gesonderten Raum führt, der sich auf dem Niveau des Bahnsteiges befindet. Jene Räumlichkeiten beherbergen die Wasservorräte. Von dort besteht allerdings keine Verbindung zur Bahnsteighalle.
Im weiteren Bereich zwischen den Gleisen befinden sich diverse Nebenräume. Dort ist auch die Notstromanlage untergebracht. Im übrigen können sämtliche Freiflächen mit Feldbetten ausgestattet werden. Hierzu sind sogar die Gleisbereiche vorgesehen, die nicht von abgestellten U-Bahnzügen beansprucht werden.